Sudafrika: Wirtschaftsuberblick

Sudafrika ist das wirtschaftliche Machtzentrum Afrikas, fuhrend in Bezug auf Industrie- und Mineralienproduktion und der großte Energieerzeuger auf dem afrikanischen Kontinent.

Das Land hat eine Fulle von Bodenschatzen, hoch entwickelte Finanz-, Rechts-, Kommunikations-, Energie- und Transportsektoren, eine der 20 wichtigsten Wertpapierborsen in der Welt und eine moderne Infrastruktur, die einen wirtschaftlichen Vertrieb von Waren im gesamten sudlichen Afrika ermoglicht.

Sudafrika hat ein progressives Rechtswesen von Weltklasseniveau. Die Gesetzgebung in Bezug auf Handel, Arbeit und Hochseeangelegenheiten ist besonders weit entwickelt und die Wettbewerbsgesetze sowie die Gesetze zu Urheberrecht, Patenten, Warenzeichen und Rechtsstreitigkeiten entsprechen internationalen Normen und Gepflogenheiten.

Die Finanzsysteme des Landes sind durchdacht und robust. Die Regulierung des Bankwesens zahlt zu den besten in der Welt und der Sektor rangiert weltweit in den Top 10.

Nicht nur Sudafrika selbst ist ein wichtiges Schwellenland. Das Land ist ebenfalls das Tor zu anderen afrikanischen Markten. Das Land spielt auf dem Kontinent eine wichtige Rolle in der Energieversorgung, als Hilfeleister sowie in den Bereichen Transport, Kommunikation und Investitionen. Ein gut ausgebautes Straßen- und Schienennetz ermoglicht Transporte bis tief hinein in den afrikanischen Kontinent.

Wirtschaftliches Wachstum

Sudafrikas Wirtschaft ist seit September 1999 im Aufschwung – die langste Zeitspanne wirtschaftlicher Expansion in der Geschichte des Landes.

Wahrend dieses Aufschwungs (nach Daten des vierten Quartals 2007) lag die jahrliche Wirtschaftswachstumsrate durchschnittlich bei uber 4%. In der Dekade vor 1994 betrug das Wirtschaftswachstum im Durchschnitt weniger als 1%.

Sudafrikas reelles Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um jeweils 3,7% (2002), 3,1% (2003), 4,9% (2004), 5% (2005), 5,4% (2006) und – hochster Wert seit 1981 – um 5,1% im Jahr 2007. Im vierten Quartal 2007 notierte Sudafrika das 33. Quartal eines ununterbrochenen Anstiegs des reellen BIP in Folge (seit September 1999).

Sudafrikas Wirtschaft erhielt nach dem Einzug der Demokratie 1994 eine Generaluberholung. Breit angelegte makrookonomische Reformen haben die Wettbewerbsfahigkeit verbessert und die Wirtschaft angekurbelt. Dies hat Arbeitsplatze geschaffen und Sudafrika einen Platz auf den Weltmarkten erobert.

Im Laufe der Jahre hat diese Politik zu einer bodenstandigen makrookonomischen Struktur gefuhrt. Steuern wurden gesenkt, Abgaben gestrichen, das Steuerdefizit beseitigt, die Inflation gezugelt und die Devisenrestriktionen gelockert.

Wirtschaftswachstum und umsichtiges Finanzmanagement haben zu einem erheblichen Ruckgang des Haushaltsdefizits Sudafrikas (d. h. die Differenz zwischen den Gesamtausgaben und den Gesamteinnahmen des Staates, Anleihen ausgenommen) gefuhrt: von 5,1% des BIP in den Jahren 1993/95 bis auf 0,5% in den Jahren 2005/06 – der zweitbeste Steuerdefizitwert in der Geschichte des Landes nach den 0,1% wahrend des Goldbooms im Jahre 1980.

2006/07 erzielte das Land zum ersten Mal einen Haushaltsuberschuss von 0,3%.

Die Verbraucherinflation ist seit 2002 rucklaufig, obwohl die Verbraucherpreise sich nach den Anschlagen vom 11. September in New York um durchschnittlich 9,3% erhohten. Die Verbraucherinflation betrug in 2004 im Durchschnitt 4,3%, 2005 3,9%, 2006 4,6% und 6,5% im Jahre 2007.

Trotz niedrigerer Steuern auf der ganzen Linie haben die florierende Wirtschaft, eine verbesserte Steuergerechtigkeit und die stetig verbesserten Steuer- und Zollverwaltung zu hoheren Staatseinnahmen gefuhrt, wobei 2006/07 ganze 475,8 Milliarden Rand erzielt wurden – mehr als dreimal so viel wie 1996/97!

Kreditwurdigkeit

Ferner wurde mehr als ein Jahrzehnt der umfassendsten institutionellen Reformen und solides Wirtschaftsmanagement mit soliden Bonitatseinstufungen belohnt, die weniger Risiko fur Investoren implizieren und die Kapitalkosten fur offentliche und privatwirtschaftliche Kreditnehmer senken.

Sudafrikas Kreditwurdigkeit hat sich seit 1994 stetig verbessert. Die letzten Aktualisierungen von Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch stammen aus dem Jahre 2005. Alle Agenturen wurdigten die wirtschaftliche Stabilitat des Landes, die geringere Krisenanfalligkeit bezogen auf außenpolitische Krisen, die moderate Schuldenlast und die starken, stabilen politischen Institutionen.

2006 signalisierten Moody’s und Fitch, dass sich der Aufwartstrend wahrscheinlich fortsetzen wird und anderten die Sudafrika-Werte von stabil auf positiv. Fitch teilte mit, die Änderung der Perspektivenwerte sei auf Sudafrikas verbesserte Wachstumsleistung und auf die Perspektiven zuruckzufuhren, die sich aus den rapide ansteigenden offentlichen und privaten Investitionen und den laufenden Mikroreformen in der Wirtschaft ergeben.

“Zusatzlich konnte das Land Verbesserungen bei seinen ohnehin schon soliden offentlichen Finanzen erzielen.”

Herausforderungen: Energieversorgung

Die großte unmittelbare Bedrohung fur das standige Wirtschaftswachstum Sudafrikas ist ein Kapazitatsengpass, der sich aus oben dieser starken Wirtschaftsleistung des Landes in den vergangenen Jahren ergibt.

Dieses Wachstum, in Kombination mit einem rapiden Industrialisierungs- und Massenelektrifizierungsproramm im letzten Jahrzehnt fuhrte letztendlich im Januar 2008 dazu, dass die Stromnachfrage das Angebot uberflugelte.

Die daraus resultierenden Stromausfallen veranlassten die Regierung zu schnellem Handeln. Der Reaktionsplan sieht Investitionen in Hohe von 343 Milliarden Rand innerhalb von funf Jahren fur den Bau einer neuen Kraftwerksgeneration sowie eine Reihe von Maßnahmen zur Reduzierung des Strombedarfs fur Haushalte und Industrie vor.

Standard & Poor’s und Fitch teilten im Januar 2008 mit, dass die Stromengpasse keine unmittelbare Bedrohung des unmittelbaren Credit Ratings darstellten. Sie konnten jedoch problematisch werden, wenn sie in erheblichem Maße das Wirtschaftswachstum beeintrachtigen wurden.

Herausforderungen: Arbeitslosigkeit

Der Internationale Wahrungsfonds notierte in seinem jahrlichen Landerbericht 2007, dass die sudafrikanische Wirtschaft die “langste je verzeichnete Expansion durchmacht und in den vergangenen Jahren ein erhohtes Wachstum in Punkto Kreditexpansion, boomende Vermogenspreise, Starkung der offentlichen Finanzen und steigende internationale Reserven, finanziert durch erhebliche Kapitalzuflusse.”

Gleichzeitig außert sich der IWF besorgt uber das derzeitige Leistungsbilanzdefizit und die Inflationsrate des Landes.

Der IWF hat ebenfalls das lange wahrende Problem der Arbeitslosigkeit als eine der großten Herausforderungen fur das Wirtschaftswachstum des Landes herausgestellt. Als weitere Probleme wurden die große Kluft zwischen Arm und Reich und ein gehauftes Vorkommen des HIV-/AIDS-Virus erwahnt.

Aber der Bericht unterstutzte auch die Problembewaltigung der sudafrikanischen Regierungsbehorden durch Richtlinien, die auf die Steigerung des Wirtschaftswachstums in einem stabilen okonomischen Umfeld abzielen und Initiativen zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit und Verbesserung der sozialen Umstande beinhalten.

Der IWF fuhrt weiter aus, dass diese Strategie durch Arbeitsmarktreformen und weitere Liberalisierung des Handels unterstutzt.

Der Schlussel zur Überwindung der vom IWF aufgezeigten Hindernisse wird die wirtschaftliche Integration von Sudafrikas vormals benachteiligter Masse sein. Sudafrikas Wirtschaft hat eine bemerkenswerte Zweigleisigkeit, mit einer hoch entwickelten Finanz- und Industriewirtschaft die neben der unterentwickelten Schattenwirtschaft entstanden ist.

Wahrend Sudafrikas “erste” Finanz und Industriewirtschaft eine etablierte Infrastruktur und okonomische Basis mit großem Potential fur weiteres Wachstum und Entwicklung hat, bildet die “zweite Wirtschaft”, die Schattenwirtschaft, sowohl ungenutztes Potential als auch eine entwicklungstechnische Herausforderung fur das Land.

Letzte Aktualisierung: August 2008

SAinfo reporter. Quellen (Englische Websites):